Wochentour im und um den VERCORS

Der Vercors ist ein durch tiefe Täler begrenzter Höhenzug im äußersten Westen der französischen Alpen und erstreckt sich über die Departements Isére und Drôme. Er hat eine Fläche von 1.350 km2 und eine Ausdehnung von etwa 60km (Nord-Süd) mal 40km (Ost-West) und liegt südwestlich von Grenoble. Da er an allen Seiten schroff ansteigt, konnte er erst im 20. Jahrhundert, teilweise mit in den Felsen gesprengten Galerien, für den Straßenverkehr zugänglich gemacht werden. Aufgrund der eingeschränkten Nutzbarkeit befindet sich im Vercors der „Parc naturel régional du Vercors“, der 1970 vom französischen Staat, in Zusammenarbeit mit den betroffenen Gemeinden, gegründet wurde und mit 170 km2 das größte Naturschutzgebiet Frankreichs ist. Hier gibt es mehrere Zweitausender (mit Gipfelhöhen von bis zu 2.350 m).      
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Im zweiten Weltkrieg war der Vercors ein wichtiges Zentrum der französischen Résistance, die von hier aus Partisanenüberfälle durchführte. Die „Maquisards“ hatten keinerlei schwere Waffen, waren isoliert und auf sich gestellt. Ihre Bedrohung war aber für die Wehrmacht nicht tragbar und so griffen am 21. Juli 1944, Kampfgruppen die Felspässe an, während von Süden aus Panzer vordrangen und im Herzen des Plateaus Fallschirmjäger mit Lastenseglern landeten. Einige Dörfer wurden niedergebrannt. Gefangene Widerstandskämpfer erschossen und Zivilisten als Repressalie hingerichtet. Insgesamt starben über 600 Widerstandskämpfer und 200 Zivilisten. Die meisten Widerstandskämpfer konnten sich aber in den umliegenden, unzugänglichen Wäldern verstecken. Im Musée de la Résistance in Vassieux-en-Vercors mit dem Ehrenfriedhof Cimetière National du Vercors werden die Geschehnisse des Widerstandes dokumentiert.
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Der Vercors, eine Region mit kurvigen Straßen, steilen Bergkuppen, Höhlen und Grotten, ist für Motorradfahrer ein absolut lohnendes Wochenziel mit etlichen interessanten und anspruchsvollen Strecken, viel Auf und Ab und Kurven ohne Ende. Ab Luxemburg ist das Massiv in gut sieben Stunden oder nach rund 700 km, also einer strammen Tagesetappe zu erreichen. Wer etwas Zeit hat, es etwas gemütlicher angehen will, oder, wie wir, die Autobahn gänzlich meiden will, sollte für Hin- und Rückfahrt mindestens zwei Etappen einplanen. Der südliche Jura, und das Bas-Bugey im Bassin de Belley (Ain) sowie die Hügellandschaften zwischen Rhône und Isère bieten jedenfalls ausreichend kurvenreiche Strecken, um sich auf den Vercors einzustimmen. Überquert man die Isère ist man im Vercors. Über Pont-en-Royans gelangt man in die Gorges de la Bourne und befindet sich gleich in einer der schönsten Schluchten dieser reizvollen Gegend. Durch mehrere Tunnel und unter überhängenden Felsen hindurch schlängelt sich die oft sehr enge und unübersichtliche Strecke hoch nach Villard-de-Lans, wo wir uns für einige Tage (Nächte) einquartiert hatten.
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Es schien mir unangebracht, hier einen seitenumfassenden, detailgetreuen Reisebericht über die von uns Anfang September gefahrene Tour zu schildern, weshalb ich mich nun auf einige wenige wirklich interessante „Musts“ beschränke.
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Neben der Gorges de la Bourne ist die Combe Laval die zweite atemberaubende Strecke im Vercors und sicherlich eine der interessantesten Straßen der Alpen, die man auf keinen Fall verpassen sollte. Beide Strecken sind eine absolute Pflicht für Motorradfahrer und sollten idealerweise mehrfach und auch in beide Richtungen gefahren werden. Diese besonders kühn angelegte, 12 km lange Route wurde zwischen 1893 und 1896 in die fast senkrecht abfallenden Felswände gehauen und führt von Saint-Jean-en-Royans zum Col de Gaudissart und dann 3 km an der eigentlichen Schlucht „Combe Laval“ entlang zum Col de la Machine. Oben am Aussichtspunkt blickt man über die Straßenbrüstung rund 600m tief hinab in den Talgrund.
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Die Gorges du Nan liegt im zerklüfteten nordwestlichen Teil des Vercors, der für seine Schluchten und zahlreichen eng am Felsen verlaufenden Straßen bekannt ist. Das durch die Schlucht führende enge, steile und kurvenreiche Sträßchen ist einen Umweg wert. Da der beschwerliche Weg am Fluss entlang oft durch Felsschlag verschüttet war, entschied man sich 1880 zum Bau dieser abenteuerlichen Strecke hoch über der Schlucht. Der hier teilweise direkt aus der Felswand herausgesprengte Weg verbindet Cognin-les-Gorges mit Malleval und ist in beiden Richtungen eine Befahrung wert. Die Randbefestigung besteht zum Teil nur aus Steinen. Der Blick hinab in die Schlucht ist nur Schwindelfreien empfohlen. Es gibt auf dieser Strecke auch nur wenige Haltemöglichkeiten.
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In der gleichen Ecke, fast parallel zur Gorges du Nan, nur wenige Kilometer östlicher, liegt die Route des Ecouges (D35), die im oberen Bourne-Tal über Rencurel in den Canyon (oder die Gorges) des Écouges und später dann wieder runter nach Saint-Gervais-Port ins Isère-Tal führt. Ähnlich steil, zum Teil noch schmaler und gefährlicher und eher etwas für erfahrene oder geübte Fahrer führt die Strecke durch einen 500m langen, 2,6m hohen und kaum breiteren, unbeleuchteten, abschüssigen Tunnel - mit zwei „Garagen“ (nach 200 resp. 400m) um etwaigen Gegenverkehr passieren zu lassen. Ursprünglich wurde dieser Tunnel erst in den 60er Jahren angelegt, um das äußerst enge und gefährliche, um den Berg führende und aus dem Felsen gehauene ehemalige Sträßchen zu entlasten. Somit musste man bei der Abfahrt außen rum, auf der historischen, in den Felsen gehauenen Route fahren, währenddem man durch den besagten (neuen) engen Tunnel hochfuhr. Wegen wiederholtem heftigem Steinschlag wurde die Abfahrt, also die historische Route außen am Berg entlang, dann aber im Jahre 2008 gesperrt und so müssen seitdem alle, Bergab- und Berghochfahrer durch das Nadelöhr, also den 500m langen, engen, dunklen Tunnel. Hier gibt es also auch für Biker ein echtes Höhlenforscher-Ambiente.
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Wie man sich die Vercors-Strecken zurecht schneidert und die einzelnen Tagesetappen plant, ist hier nicht relevant, man sollte allerdings mindestens 3 Tage einplanen, um diese äußerst interessante Gegend mit ihren eindrucksvollen, teils abenteuerlichen Strecken kennen zu lernen. Es erschiene wohl anmaßend hier dem versierten Biker Strecken vorzuschreiben, wie und wo er langfahren muss. Nahezu alle Strecken sind absolut (er)fahrenswert und jeder sollte vor der Streckenplanung wissen, welches Tagespensum er sich auferlegt, oder wie viele Kilometer resp. Stunden er im Sattel sitzen möchte, wissend, dass es sich hier überwiegend um enge, kurvenreiche Berg-Straßen handelt und es Kurven bis zum Abwinken gibt!
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Hängt schlussendlich auch davon ab, ob man „nur“ zum Motorradfahren hierherkommt oder auch noch etwas Sightseeing einplanen möchte, denn Sehenswürdigkeiten wie die Maisons Suspendues in Pont-en-Royans, die Grotte de Choranche in der Gorges de la Bourne, die Grottes de la Luire, die Grottes de Thaïs, das Musée, das Mémorial und die Necropole de la Résistance in Vassieux-en-Vercors oder die Cour des Fusillés in La Chapelle en Vercors usw. gibt es genug, ganz abgesehen von Landschaft und Natur hier im „Parc naturel régional du Vercors“. 
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Wir sind 1x im Uhrzeigersinn um den Vercors herumgefahren und zwei Tage kreuz und quer durch den ganzen Höhenzug gekurvt und sind so die meisten großartigen Strecken abgefahren, einige Teilstücke sogar zweimal und auch in beide Richtungen. Einige absolut sehenswerte Strecken, Schluchten, Pässe oder Orte die man bei der Planung nicht vergessen sollte: Gorges de la Bourne, Gorges du Nan, Gorges d’Engins, Gorges de l’Escharis, die Combe Laval, Combe Coquette, Les Grands Goulets, Plan-de-Baix, Pas de l’escalier, Pas de l’Échelle, Plateau d’Ambel, Passage des Tourettes, oder die Route des Écouges, Canyon (Gorges) des Écouges (mit spektakulärem, engem und unbeleuchtetem Tunnel) oder die Croix de Toutes Aures u.v.m. und die Pässe : Col de la Machine, Col de la Bataille, Col de Rousset, Col de l’Arzelier, Col de l’Allimas, Col du Fau, Col de Proncel, Col de Menée, Col de Pennes, Col de Bacchus, Col de Lachau, Col des Limouches, Col de la Croix, Col de Tourniol, oder den allesüberragenden Mont Aiguille. Oder die sehenswerten Brücken Pont de Claix, und Pont de Brion oberhalb des Drac sowie Mémorial, Museum und Nécropole de la Résistance bei Vassieux-en-Vercors, und die Orte Pont-en-Royans sowie La Chapelle-en-Vercors, um nur diese zu nennen. 
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Wer noch einigen tollen Tagen im Vercors noch Zeit oder Resturlaub hat und noch einige weitere Kurven verkraften kann oder seinen eh schin arg strapazierten Reifen den Rest geben will, der kann auf dem Nachhauseweg ja dann noch durch das Massif de la Chartreuse  nach Cha,bery und zum Lac du Bourget (mit super Blick auf den Mont Blanc) hochfahren und wie wir, noch zwei Runden durch den Jura und die Vogesen drehen.
 
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Viel Spass, beim planen und erkunden der unzähligen, wundervollen Motorradstrecken im und um den Vercors.
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(Quellen: Wikipedia)               
Alain Burg